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Der Löwe – ein Wahrzeichen der Stadt Wien?

Kaum jemand dürfte auf die Frage, welches Wahrzeichen Wien am besten repräsentiere, beherzt mit „ein Löwe!“ antworten. Eher denkt man an das Schloss Schönbrunn, das Riesenrad im Prater, den Stephansdom oder vielleicht an die süßen Wahrzeichen wie die Sachertorte. Dabei war dies vor etwas mehr als hundert Jahren alles andere als selbstverständlich. Der Löwe kämpfte scheinbar um den Titel des Wahrzeichens Wiens. Der Grund?

Löwen gibt es nicht nur im Tiergarten Schönbrunn, sondern in steinerner Form oder aus Bronze geformt, ist der König der Tiere quer über die Stadt verteilt immer wieder zu finden.

Fast ein Wahrzeichen –  die Nußdorfer Löwen

Als der Hochwasserschutz bei der Nußdorfer Schleuse 1898 fertiggestellt wurde, platzierte der Bildhauer Rudolf Weyr zwei Löwen, erst am rechten dann am linken Ufer. Die damaligen Medien bejubelten diese als neue Wahrzeichen.

Die Löwen blicken stromaufwärts, also dorthin, wo die Flutgefahr entsteht und stellen so eine schützende Geste dar. Das Löwenpaar dient übrigens auch dem Autobauer Gräf & Stift als Vorlage, dessen Logo bis heute ein Löwe ist und unter anderem die Busse der Wiener Linien ziert.

Löwen im Zentrum: von Schloss Belvedere bis zur Hofburg

Doch wie könnte man Wien eine Stadt der Löwen nennen wenn sie nicht auch an den zentralsten Wahrzeichen der Stadt zu finden wären? So zum Beispiel an der Hofburg. Die auffälligsten Löwen sind die vier Löwen vor dem Eingang der Nationalbibliothek, die je eine Wappenkartusche tragen und von Fritz Zerritsch aus Sandstein gestaltet wurden.

Belvedere, Schmiedetor-Eingang von Seiten des Landstaßer Gürtels, (3. Bezirk)
Belvedere Schmiedetor-Eingang © Schaub-Walzer / PID

Vor Schloss Belvedere schmücken die beiden Löwen mit Ihren Schildern das Eingangstor.

Triumphwagen mit einem Löwengespann

Gleich neben dem Gebäude der Wiener Secession befindet sich ein Objekt aus den Jahren 1899/1900. Der österreichische Bildhauer und Secessions-Künstler Arthur Strasser formte dieses Kunstwerk und zeigt den römischen Feldherrn Marcus Antonius im Triumphwagen mit einem Löwengespann.

Triumphwagen-des-Marc-Anton
Triumphwagen © Zr

Geschafen wurde es für die Weltausstellung 1901 in Paris, danach wurde die „Marc-Anton-Gruppe“ neben der Secession aufgestellt.

Verschwundene Löwen

Besonders die Löwen auf den Brücken Wiens mussten aufgrund der Zerstörung der Brücken 1945 entweder umziehen oder wurden gar mit den Brücken zerstört. Franz Melnitzky fertigte für die erste Aspernbrücke (1863-1864) vier Löwen, zwei für jede Seite.

Nachdem diese und die zweite Brücke zerstört wurden, kamen zwei Löwen vor das Horner Schloss und zwei vor das Schloss Gobelsburg da sie auf der dritten Aspernbrücke nicht mehr erwünscht waren. Auch das Löwen-Kino gibt es nicht mehr, es ist heute ein Supermarkt. Doch die Löwen auf der Fassade zieren das Gebäude noch immer.

Die Löwengasse

Das Löwen-Kino lag übrigens passenderweise in der Löwengasse im 3. Bezirk. Diese zeigt auch noch heute viele Löwen. So gibt es zum Beispiel eine auffällige Skulptur vor dem Hundertwasserhaus, das jährlich von vielen Besuchern bewundert wird. Auch das Terassencafé des Hauses hat alleine acht Löwen am Geländer vorzuweisen. Etwas weiter hinunter in der Löwengasse findet man ein Relief mit dem Kopf eines Löwen in Farbe. Dieses liegt an der Ecke des Café Zartl.

Der größte Löwe und der modernste Löwe

Der wohl größte Löwe liegt an einem unwahrscheinlichen Ort: in Aspern. Dominik Fernkorn wurde 1850 beauftragt, ein Löwendenkmal zu fertigen als Erinnerung an die Schlacht im Jahre 1809, in der Erzherzog Karl Napoleons Armee besiegte. Die Löwe ist weiß und steht bis heute vor der Kirche am Asperner Platz. Die Wahl des Ortes ist deshalb eine große Ehre, weil Aspern damals noch ein kleines Dorf weit vor den Toren der Stadt war und dennoch diese prunkvolle Statue bekam.

Zwei modernere Brüder bekamen die Nußdorfer Löwen übrigens nach dem zweiten Weltkrieg im Rahmen der Aktion „Kunst am Bau“. Ähnlich imposant, jedoch deutlich abstrakter stehen die Löwen von Herbert Schwarz vor der Disco „Praterdome“ an der Grinzinger Straße. Ob die beiden Geschwisterpaare wohl voneinander wissen?

Das Wappentier – „Löwe“

Der Löwe wird schon seit der Steinzeit bildlich dargestellt und ist gleichzeitig auch das beliebteste Wappentier. Das Tier symbolisiert Mut und Königlichkeit, eigentlich klar, denn er gilt ja auch als „König der Tiere“.