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Wien- ein kleiner Reiseführer

Die Stadt und ihre Vielfalt

Wien ist nicht nur die heutige Hauptstadt des Landes Österreich, sondern auch das ehemalige Zentrum des Habsburger Reiches. Damit trägt Wien ein gewaltiges historisches Erbe.

Schon 1814/15 erlangte es durch den Wiener Kongress immense politische Bedeutung, heute ist es einer der Hauptsitze der Vereinten Nationen. Auch kulturell gibt Wien einiges her. Lange Zeit versammelten sich hier Künstler und Musiker wie Haydn, Klimt, und Beethoven. Nicht umsonst gibt es musikalisch mehr als eine Wiener Schule. Wer also eine Reise plant, kann sich leicht überfordert fühlen von dem breiten Angebot, welches einem Besucher zur Auswahl steht.

Panorama-Blick vom Wiener Rathausturm
Panorama-Blick © Schaub-Walzer / PID

Die meisten großen Sehenswürdigkeiten werden überall beschrieben, daher ist hier ein kleiner kompakter Reiseführer mit Tipps und Tricks und ungewöhnlichen Zielen für einen gelungenen Aufenthalt.

Die Jahreszeiten (Wann man reisen sollte)

Wien kann man grundsätzlich das ganze Jahr über besuchen, ohne dass es langweilig wird. Es gibt aber bestimmte Events, die zeitlich begrenzt stattfinden und an das Wetter sollte man sich ebenfalls anpassen.
• Im Winter ist nicht so viel los wie im Sommer. Weniger Touristen bedeuten weniger Schlangen an den größten Attraktionen und eine größere Auswahl an Hotels, die zur Verfügung stehen. Falls man während eines Stadtbummels friert, kann immer gut in eines der zahlreichen Cafés gehen, um sich mit heißer Schokolade aufzuwärmen.
• Von Mitte November bis Ende Dezember (teils sogar bis Januar) sind die Weihnachtsmärkte geöffnet. Die meistbesuchten Märkte sind am Rathausplatz und vor dem Schloss Schönbrunn. Tipp: Der Markt am Spittelberg ist kleiner, dafür aber auch weniger überfüllt und bietet viele individuelle Handwerksartikel an.
• Wer eine Reise im Zeitraum von Oktober bis April plant, sollte sich auf Regen und eventuell im Winter auf Schnee einstellen. Wer wetterfest ist, kann natürlich trotzdem durch die Parks flanieren.
• Am wärmsten und sonnigsten ist es natürlich im Sommer. Die Parks und Gärten erblühen dann besonders schön und laden zu Picknicks und Spaziergängen ein. Gleichzeitig ist es im Sommer sehr voll und es sind viele Touristen in der Stadt. Einige beliebte Attraktionen, wie die Oper und das Burgtheater, haben außerdem Sommerpause von Juli bis September. Dafür gibt es ein Open-Air Filmfestival am Rathausplatz und viele andere Sommerattraktionen.
• Außerdem ist im Sommer Freibad-Saison. Der Neusiedler See lädt zum Schwimmen ein, liegt aber außerhalb Wiens. Innerhalb der Stadt gibt es dafür eine Menge Freibäder. Am schönsten ist allerdings das Schwimmen in der Donau an der Donauinsel, dem grünen Paradies der Stadt.
• Tipp: Für Weinliebhaber ist sicher der Herbst die schönste Jahreszeit, da man dann in den Heurigern um Wien herum frischen Sturm serviert bekommt und die Weinfeste stattfinden.

Unterwegs in Wien

• Von der Anreise mit dem Auto wird grundsätzlich abgeraten, da überall in der Stadt hohe Parkgebühren herrschen und man ohnehin schneller mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Falls man dennoch mit dem Auto unterwegs ist, sollte man am besten am Wochenende kommen, weil das Parken Samstags und Sonntags gratis ist.
• In Wien ist man mit U-Bahn, Straßenbahn, Zug und Bus bestens versorgt. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man problemlos jedes Ziel in der Stadt. Die U-Bahnen sind bis in tief die Nacht hinein dicht getaktet, sodass man auch nach einem Abend in der Oper gut zurück zum Hotel kommt und für die Außenbezirke (zum Beispiel zum Wandern) gibt es gute Busanbindungen. Der ÖPNV ist in Wien besonders günstig und kaum mit anderen Städten Europas zu vergleichen. Die Tickets gibt es für 24h, 48h, 72h und für eine Woche. Kinder unter 15 Jahren fahren in allen Verkehrsmitteln gratis. Tipp: Wer länger als drei, aber keine ganze Woche bleibt, sollte sich dennoch ein Wochenticket kaufen. Das ist nur drei Euro teurer als ein 48h Ticket und damit viel günstiger als ein weiteres Tagesticket.
• Die Straßenbahnen sind manchmal modern und mit Klimaanlage ausgestattet und manchmal noch ganz im alten Flair. Eine Fahrt dient dabei aber nicht nur der Nostalgie, sondern ist auch gut für eine entspannte Sightseeing-Tour, wenn man mal müde Beine bekommt, da viele der Attraktionen wie Hofburg und Burgtheater an der Ringstraße liegen.
• Um vom Flughafen nach Wien und zurück zu kommen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der City Airport Train (CAT) ist ein Zug, mit dem man schneller in der Stadt ist als mit den anderen Verkehrsmitteln, allerdings kostet ein Ticket auch deutlich mehr. Zu empfehlen sind daher der Flughafenbus, ein Taxi (für mehrere Personen) oder die öffentliche Bahn. Die Fahrt dauert etwa 30 bis 40 Minuten, spart aber Geld.

Das Essen

• Die Wiener Küche ist in ganz Europa berühmt. Hinter dem Namen verbirgt sich eine internationale Vielfalt mit Spezialitäten aus dem ehemaligen Habsburger Reich: Gulasch aus Ungarn, Palatschinken aus Böhmen und natürlich das Wiener Schnitzel. Wer traditionell speisen möchte, sollte in einem Beisl einkehren. Dort ist das Essen mit dem urigen Charme der Restaurants verbunden. Gut eignet sich hierfür die Gastronomie am Spittelberg. In lauen Sommernächten kann man auch draußen sein Radler oder seinen Wein zum Tafelspitz genießen.

• Wer die Wiener Süßspeisen probieren möchte, tut dies am besten in einem der zahlreichen traditionellen Cafés. Dort kann man auch direkt die Wiener Kaffeehauskultur genießen, die sich durch die große Auswahl an Kaffee, langen Aufenthalten und das Lesen in den ausliegenden Zeitungen auszeichnet. Viele große Geister der Geschichte verbrachten hier ihre Tage: Sigmund Freuds Stammcafé war das Café Landtmann, er kehrte aber auch mit anderen Berühmtheiten in das Café Central ein. Der kaiserliche und königliche Hofzuckerbäcker Demel soll die beste Sachertorte Wiens haben, ist aber auch für ausgezeichneten Kakao und Apfelstrudel bekannt.

• Man darf es niemandem übel nehmen: Die Kaffeehauskultur führt einen gewissen Stolz mit sich und Touristen können leicht in Fettnäpfchen treten, wie etwa mit fehlendem Wissen über bestimmte Vokabeln. Daher nicht wundern, wenn die Kellner manchmal etwas griesgrämig erscheinen.

• Österreich wurde einmal die „letzte Bastion für Raucher“ genannt. Tatsächlich ist es anders als im restlichen Europa in einigen Cafés und Bars erlaubt, zu rauchen. Man sollte sich darüber nicht wundern, auch dies ist ein Teil des kulturellen Erbes.

Vegan unterwegs? Kein Problem! Viele Cafés haben inzwischen vegane Optionen und auch an traditionellen Orten wie im Café Central und im Demel gibt es ausgesprochen edle vegane Optionen. Außerdem findet jedes Jahr im Sommer das „Vegan Festival“ vor dem MuseumsQuartier statt.
Tipps:
1. Palatschinken sind Pfannkuchen, also eine Süßspeise.
2. Melange ist nur bei Nestle Kaffee mit heißer Schokolade. In Wien ist es ein Milchkaffee.
3. Im Künstlercafé Hawelka niemals nach einer Karte fragen! Es gibt keine.
4. Die berühmten Cafés sind oft ausgebucht. Daher vorher reservieren!
5. Trinkgeld wird erwartet.

Parks und Gärten (Zum Flanieren und Verweilen)

Der berühmteste Park ist sicherlich der des Schlosses Schönbrunn. Die ausgefallen Verzierungen mit Blumen auf dem Vorplatz des Neptunbrunnens tauchen sicher in jedem Reiseführer auf. Und tatsächlich ist der Park ein klares „Must-See“ in Wien. Nicht nur, weil er dank seiner Größe selbst zur Hochsaison nie überfüllt ist, sondern auch weil der Blick von der Gloriette und die liebevolle Gestaltung ein ganzes Stück Urlaubsgefühl herbeizaubern. Tipp: Wenn man die äußere Runde im Park dreht, trifft man nicht nur auf weniger Leute, sondern findet auch den ein oder anderen verborgenen Garten.
• Auch ein Teil des Schlossparks, allerdings nicht gratis, ist der Tiergarten. Hier gibt es heimische und exotische Artenvielfalt zu bestaunen. Der Tiergarten ist der älteste Zoo Europas und noch heute sind einige der alten Gehege in Betrieb oder ausgestellt. Tipp: Besonders leer ist der Zoo im Winter. Und auch die Kälte kann seinem Charme nichts anhaben.
• Auch der Volksgarten ist eine blumige Oase direkt an der Ringstraße und im Zentrum. Hier bietet es sich an, inmitten der Rosen eine Mittagspause zwischen Hofburg und Rathaus zu machen.
• Gut mit der U-Bahn zu erreichen, sind die Donauinsel und die alte Donau. Dort kann man stundenlang am Ufer spazieren gehen und immer neue grüne Gärten und Parks entdecken. Das ganze Gebiet wurde renaturiert und ist heute ein Freizeitparadies zum Segeln, Schwimmen und Paddeln.
• Kein Park und auch kein Garten, aber gut zur Erholung sind die Stadtwanderwege. Rund um und in Wien kann man von den Hügeln und Wäldern die Aussicht auf die Stadt genießen. An fast jedem Weg gibt es einen Ort zum Einkehren und kaum ein Weg ist so schwierig, dass man ihn nicht auch mit der Familie bewältigen kann.

 

Vienna on a Budget (Tipps zum Geld sparen)

• Die Vienna City Card verbindet den öffentlichen Nahverkehr mit weiteren Vorteilen für Touristen. So kann man zum Beispiel die Hop-On Hop-Off Busse benutzen und mehr als 210 Vergünstigungen für Sightseeing, Kultur und Sport in Anspruch nehmen. Auch diese Karte gibt es für 24, 48 oder 72 Stunden und Kinder bis 15 Jahre fahren gratis.
• Der Vienna Pass ist ähnlich zur Vienna City Card, allerdings nicht an den öffentlichen Nahverkehr gebunden. Stattdessen ist der Hop-On Hop-Off Bus ebenfalls miteingenommen und viele Attraktionen gratis. Dazu zu zählen Schönbrunn, die Hofburg, und das Kunsthistorische Museum. Außerdem kommt man mit dem „Fast Track“ an langen Warteschlangen vorbei. Man kann ihn für 1, 2, 3 oder 6 Tage erhalten und im Internet vorbestellen.
• Manche Museen, wie die Beethovenwohnung, das Haydnhaus und das Römermuseum sind am ersten Sonntag jedes Monats gratis. Andere sind grundsätzlich gratis (Wiener Fischereimuseum) und in den meisten gibt es freien Eintritt für Kinder und Jugendliche. Außerdem gibt es fast überall Studentenrabatt.
• Günstig essen kann man am Naschmarkt. Dort kann man gut an allen Ständen etwas probieren. Auch ein Picknick im Park ist schön. Dazu kann man zum Beispiel Mozartkugeln kaufen, die in den Supermärkten deutlich günstiger sind als an Touristenattraktionen.
• Wer keinen Luxus braucht, kann sich einfach und kostengünstig ein Airbnb statt eines Hotels buchen. Auch private Ferienwohnungen sind zu empfehlen, da sie oft mehr Platz und Privatsphäre bieten als Hotels.

Berühmte Sehenswürdigkeiten

• Die Hofburg war vom 13. Jahrhundert bis 1918 die Residenz der Habsburger. Heute ist sie vor allem für ihre Bauten aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Direkt an der Ringstraße beherbergt die Hofburg das Sissi-Museum, die Silberkammer, die Kaiserapartments und die Spanische Hofreitschule, die sich allesamt besichtigen lassen. Die Hofburg ist außerdem der Sitz des Österreichischen Bundespräsidenten und der Österreichischen Nationalbibliothek.
• Das Schloss Schönbrunn wurde von Kaiserin Maria Theresia in seiner heutigen Form gebaut und ist seit vielen Jahren ein Touristenmagnet der Stadt. Es diente der Kaiserfamilie als Sommerresidenz und ist umgeben von großflächigen Parkanlagen, in welchen sich auch der älteste Zoo der Welt befindet.
• Der Stephansdom bildet in der Altstadt das Zentrum Wiens und ist gleichzeitig das Wahrzeichen der Stadt. Im ehemaligen Österreich-Ungarn durfte es keine Kirche geben, die höher als der Dom gebaut wurde. So ist das gotische Nationalheiligtum noch heute aus allen Himmelsrichtungen sichtbar und kann besichtigt werden.
• Der Prater ist eigentlich ein weitläufiger Park an der Donau, oft ist aber nur der darin befindliche Vergnügungspark gemeint. Dieser beherbergt ein im 19. Jahrhundert errichtetes Riesenrad, welches hier gleich als zweites Wahrzeichen Wiens genannt werden kann. Es war damals das größte Riesenrad der Welt.

Nachtleben

• Die Roof Top-Bar im 25h Hotel ist jung, laut und bunt. Ausgefallene Lampen in Schlagzeugtrommeln, Aufzüge wie Zoogehege und ein breites Angebot an Getränken lassen es nicht langweilig werden. Hier trifft sich die Backpacking Generation und genießt dabei einen wunderschönen Ausblick über die Stadt.
• Nichtauf dem Dach, dafür aber mit einem Pool ausgestattet ist die Pratersauna. Dieser House-, Techno- und Electro-Club ist ein wahrer Platz für Studenten am Wochenende und Reisende, die nicht nur in der Innenstadt bleiben wollen. Der Prater ist tag- und nachtaktiv.
• Das Topkino ist vieles in einem: Cafe, Bar, Restaurant und Kino. Wer sich nicht entscheiden kann, besucht einfach alles an einem Abend. Im Sommer bietet das Topkino auch Open-Air Kino an. Auf dem Programm stehen ungewöhnliche nationale und internationale Filme, die man sicher nicht so schnell vergisst.

Unberühmte Sehenswürdigkeiten

• Der Siebte Bezirk ist nah am Zentrum zwischen dem MuseumQuartier und der Mariahilferstraße gelegen. Er ist studentisch, bunt und individuell. Es gibt viele kleine ausgefallen Cafés, Second Hand – und Designer Läden. Fast kann man sich hier verlaufen.
• Konzert gefällig? Die Arena, ein alternativer Konzertveranstaltungsort mit Bar gehört zur Szene Wiens. Hier spielen etablierte Künstler, und jene, die es nie werden wollen. Nicht umsonst hat Leonard Cohen die Arena als „besten Ort Wiens“ bezeichnet.
• Das Supersense ist ein Café, ein Museum und ein Plattenladen in einem. Es lebt vom nostalgischen Charme und bietet Führungen und Workshops über analoge Fotografie und Schallplatten an.
• Der Lebensbaumkreis am Himmel liegt mitten in einem Naturschutzgebiet, das Artenerhalt zum Ziel hat. Der Kreis selbst besteht aus vierzig Bäumen, die verschiedene Abschnitte des Lebens symbolisieren. Hier hat man nicht nur eine schöne Aussicht auf Wien, sondern auch Entspannung in schöner Natur und ein gemütliches Café gleich um die Ecke.